Nehmen Sie unseren Beitrag als Aufforderung zum Ausflug ins Mohnviertel … äh, sorry: ins Waldviertel.
Wenn Ende Juni im Land die Sonnwendfeuer brennen, ist im Waldviertel Mohnblütezeit.
Wussten Sie, dass der Mohn eine unserer ältesten Kulturpflanzen ist? Seit der Jungsteinzeit, ca. 6.000 v. Chr., wird Mohn in Südeuropa medizinisch genützt.

Graumohn im Waldviertel © meister.pictures
Graumohn im Waldviertel © meister.pictures

8.000 Jahre Mohngeschichte – eine lange Zeit, in der die Menschen von der medizinischen Wirkung des Mohns profitieren. Alle antiken Hochkulturen – Ägypter, Griechen, Römer, Sumerer, Chinesen … – kannten Opium und das schwächer wirkende Meconium als Drogen und schmerzlindernde Medikamente. Von den Christen ab ca. 400 n. Chr. verbannt (Krankheit wurde als Strafe Gottes gesehen) und verboten, waren es Araber, die mit ihrer Medizin Opium wieder in Europa etablierten. Auch Hildegard von Bingen bestätigte die medizinische Wirkung im 12. Jhdt.

 

Genehmigungspflicht bei Mohnanbau

Mohn ist ein kalziumreiches Lebensmittel, das uns auch mit Vitamin B versorgt. Mohnsamen sind zwar arm an Alkaloiden, trotzdem ist der Mohnanbau nicht überall ohne Genehmigung möglich. Leider ist der Mohnanbau in Deutschland auch für den Zierpflanzenbereich genehmigungspflichtig. Für die Lebensmittelproduktion ist der Anbau von Mohn nur mit den morphinarmen Sorten ‘Mieszko’ und ‘Zeno Morphex’ in Deutschland nach Genehmigung durch die Bundesopiumstelle erlaubt.

In Österreich hingegen blickt man auf eine lange Tradition zurück. Der im Waldviertel angebaute Graumohn „Waldviertler Graumohn g.U.“ schmeckt nicht nur ausgezeichnet, die Kapseln werden auch für floristische Zwecke geschnitten.  In Österreich darf Mohn zum Zweck der Nahrungsmittelerzeugung angebaut werden. Strafbar macht sich, wer Opiummohn zum Zweck der Suchtgiftgewinnung anbaut. Auch Mohnstroh darf nur für floristische Verwendung und nur mit einem Zertifikat der Behörde des Ausfuhrlandes, das bestätigt, dass die Morphin-Alkaloide entzogen wurden, nach Österreich eingeführt werden.

In der Schweiz ist der Mohnanbau grundsätzlich erlaubt. Strafbar ist die Verwendung des Mohnstrohs zu Betäubungszwecken.

Das Mohndorf Armschlag im Waldviertel widmet der Mohnblüte jedes Jahr ein spezielles Programm mit Mohnexpress-Fahrten zu den blühenden Mohnfeldern. Wer die blühenden Felder in ihrer vollen Pracht erleben will, muss allerdings früh aufstehen: Der Express startet um 7 Uhr morgens.

Übrigens: Auch in der Schweiz darf Mohn ohne Genehmigung kultiviert werden

Wer sich also in Österreich oder der Schweiz an Ziermohn im Garten erfreuen will, dem widmen wir den Pflanzensteckbrief zu einer besonders attraktiven Sorte:

Schlafmohn
Papaver somniferum ‘Black Paeony’ 

Papaveraceae

Heimat, Verbreitung: Europa, Nordafrika, Arabischer Raum, Kultursorten,
Wuchs: aufrecht
Wuchshöhe: 40–150 cm
Blüte: dunkel- bis schwarzrot, pfingstrosenartig gefüllt
Blütezeit: Juni–August
Blatt: hellgrün
Standort/Pflege: lockere Böden, gute Stickstoffversorgung
Verwendung: Beet, traditionelle Bauerngärten
Kultur: Anbau breitwürfig März/April an Ort und Stelle ins Freiland, nur leicht mit Erde bedecken.

Weiterführende Links für Ihr Graumohn-Sommererlebnis

Mohn-Webcam (ab Juni aktiv)
Mohndorf Armschlag im Waldviertel
NÖ Landesausstellung 2017 – Station Mohndorf
Schlafmohn bei Wikipedia


Mohnstrudel mit Germteig


Zutaten für den Teig:

500 g Mehl

25 g Germ

¼ l Milch

1 Prise Salz

2 Eier

75 g Butter

100 g Zucker

1 TL Honig

1 Pkg. Vanillezucker

geriebene Schale einer halben unbehandelten Zitrone


Zutaten für die Mohnfüllung: 

250 g gemahlenen Waldviertler Graumohn g.U.

100 g Rosinen

50 g gehacktes Zitronat

75 g Zucker

¼ l Milch

geriebene Schale einer halben unbehandelten Zitrone

Rum und Zimt nach Geschmack

30 g Semmelbrösel


Zubereitung:


Mehl in eine Schüssel sieben, in der Mitte eine Vertiefung formen, die zerbröckelte Germ, 1 TL Honig oder Zucker und etwas lauwarme Milch dazu geben und mit etwas Mehl verrühren, bis ein flüssiger Vorteig entsteht. Zugedeckt warm stellen und ca. 30 Minuten gehen lassen. Dann die restliche Milch nach und nach, die leicht erwärmte Butter, Zucker, Eier und Gewürze beimengen. Das Ganze kräftig durcharbeiten und schlagen, bis der Teig Blasen wirft und sich von der Schüssel löst. Danach den Schüsselboden mit Mehl ausstreuen, den Teig darauf legen und mit einem Tuch zugedeckt gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat. Den Teig aus der Schüssel nehmen und mit der Mohnfüllung weiter verarbeiten.


Während der Teig geht, Milch und Zucker für die Füllung verrühren, aufkochen. Den gemahlenen Mohn mit Zitronenschale zur heißen Milch geben und zu einem dicken Brei kochen. Abkühlen lassen. Danach mit Zimt und Rum abschmecken, Rosinen, Zitronat und Semmelbrösel unterrühren.


Den dick ausgerollten Teig mit der Füllung bestreichen, zusammenrollen und den Teigrand mit etwas Eigelb bestreichen. Die Rolle mit dem Teigrand nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, den Teig an der Oberfläche in regelmäßigen Abständen einstechen. Im vorgeheizten Backrohr bei 190–200 °C 45–55 Minuten backen.