Er hat viele Namen und ist weltbekannt – der Ginkgo, Fächerblatt- oder Mädchenhaarbaum (Ginkgo biloba).

Man sieht ihn als lebendiges Denkmal im Garten chinesischer Tempelanlagen, im Miniaturformat als uralten Bonsai, als widerstandsfähigen Straßenbaum im urbanen Raum oder man findet einzelne Blätter vergoldet als wertvolle Schmuckstücke … Doch warum fasziniert gerade diese Baumart seit Jahrtausenden?

Vielleicht ist es der bemerkenswerte Überlebenswille?

Der Ginkgo ist der einzig lebende Vertreter der ausgestorbenen Pflanzengruppe der Ginkgoales – daher wird er oft als „Lebendes Fossil“ bezeichnet.

Ginkgo-Zweig in der Morgensonne © GartenAkademie.com
Ginkgo-Zweig in der Morgensonne © GartenAkademie.com

Vielleicht ist es seine botanische Sonderstellung?

Die Ginkgogewächse (Ginkgoaceae) gehören weder zu den Nadel- noch zu den Laubbäumen, sondern bilden eine eigene Gruppe. Obwohl der Ginkgo – dem Aussehen entsprechend – eher ein Laubbaum zu sein scheint, ist er doch mit den Nadelbäumen näher verwandt.

Vielleicht ist es einfach seine Schönheit?

Der Ginkgo ist ein sommergrüner Baum. Er wirft, wie die Mehrzahl unserer Laubbäume, im Herbst seine Blätter ab. Er kann 1000 bis 3000 Jahre alt und älter werden, Wuchshöhen von bis zu 40 Metern und einen Stammdurchmesser von ein bis vier Metern erreichen. Der anfangs wenig verzweigte Baum bildet mit zunehmendem Alter eine breit ausladende, mächtige Baumkrone. Wir schätzen vorwiegend den Zierwert seiner Blätter und die tief goldgelbe Herbstfärbung. In Baumschulen wird eine Vielzahl von unterschiedlichen Sorten , Wuchsformen und Größen angeboten – so muss heute kein Gartenbesitzer auf seinen eigenen Ginkgo verzichten.

Vielleicht ist es seine Vielseitigkeit?

Der Ginkgo ist resistent gegen Schädlingsbefall, unempfindlich gegen Abgase und sehr anspruchslos, daher wird er weltweit als Stadtbaum verwendet.

Vielleicht ist es seine mystische Erscheinung?

Chinesen, Japaner und Koreaner verehren den Ginkgo seit Jahrhunderten als heilig – er gilt als lebensverlängernd und kraftspendend. In Japan haben die Samen symbolischen Wert als Glücksbringer.
Legendär ist jener Tempelbaum in Hiroshima, der beim Atombombenexplosion in Flammen aufging, aber im gleichen Jahr wieder austrieb und noch heute an jenem geschichtsträchtigen Ort besucht werden kann.

Das deutsche „Kuratorium Baum des Jahres“ erklärte den Ginkgo zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden sowie zum „Baum des Jahrtausends“.

Ginkgo biloba

 

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwey, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin ?

 

Johann Wolfgang von Goethe, 1815