Wussten Sie, dass wir 2018 einen kurzen Advent feiern? Die dem „Wichernschen Adventskranz“ nachempfundenen Traditionsgebinde werden dieses Jahr mit vier weißen und 19 roten Kerzen geschmückt sein. Was es mit diesem besonderen Adventkranz auf sich hat, erfahren Sie in hier …

Am ersten Advent des Jahres 1839 hing im Rauhen Haus in Hamburg der erste Adventkranz, dessen Existenz historisch belegt ist. 23 Kerzen, Tannenschmuck und ein Wagenrad mit 1,20 Meter Durchmesser – so sah die Urform des beliebten Adventgestecks bei seiner „Erfindung“ in der Hansestadt aus.

Der 31-jährige evangelische Pfarrer Johann Hinrich Wichern hing damals im Betsaal der von ihm gegründeten Anstalt zur Betreuung gefährdeter Jugendlicher einen wagenradgroßen Holzleuchter auf und entzündete darauf am ersten Adventsonntag die erste Kerze. Wicherns Idee war, den Kindern mit diesem Adventskranz die Zeit des Wartens der Vorfreude auf das nahende Weihnachtsfest anschaulich zu machen. An den Adventsonntagen wurde eine zusätzliche große Kerze entzündet. Für jeden weiteren Tag kam eine rote Kerze dazu – bis zum Heiligen Abend. Also waren Adventkränze ursprünglich mit vier großen, weißen und 18 bis 24 kleinen, roten Kerzen geschmückt. Den längsten Advent feiern wir immer dann, wenn der Heilige Abend auf einen Samstag fällt.

Wichern Adventskranz © Rauhes Haus, Hamburg
Wir danken dem Rauhen Haus, Hamburg, das uns Fotos historischer Zeichnungen des Wichernschen Adventskranzes zur Verfügung gestellt hat. 

1851 wurden nur die Wände des Betsaals im „Rauhen Haus“ mit Tannenzweigen geschmückt. Die Tradition, den Adventkranz selbst mit Reisig und weißen Bändern zu schmücken, entstand erst 1860.

Die Klassiker unter den Adventkränzen sehen heute meist anders aus. Sie sind aus Tannenreisig gebunden, nur noch vier Kerzen sind geblieben, aber geschmückt wird auch heute noch mit Bändern, Schleifen und Zapfen.

Moderner Adventskranz © GartenAkademie.com
Moderner Adventskranz © GartenAkademie.com

Adventkränze sind reich an Symbolik:

  • Das Grün der Tannenzweige stellt die Farbe des Lebens dar.
  • Der Kreis symbolisiert die mit der Auferstehung gegebene Ewigkeit des Lebens.
  • Der Kranz an sich wird gern in Bezug auf den Erdkreis mit seinen vier Himmelsrichtungen gedeutet.
  • Die Kerzen stellen das kommende Licht dar, das am Heiligen Abend die Welt erleuchtet.
  • Die überlieferten Farben des Advents sind Rot und Grün. Wer Wert auf  Tradition legt, wird diese Farben für den Kranz bevorzugen.
  • Gold, Silber und Weiß sind die Farben für festliche Anlässe. Besonders in der Weihnachtszeit beliebt, verleihen die drei Farben dem rustikalen Tannengrün der Nadelzweige einen feierlichen Akzent.

 



Von der symbolischen Bedeutung der einzelnen Kerzen erzählt die Geschichte „Die vier Kerzen“

Vier Kerzen brannten am Adventkranz. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte: „Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden.“

Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte: „Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr, dass ich brenne.“

Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze war aus.

Leise und traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort. „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen.“

Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: „Aber, aber, Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!“ Und fast fing es an zu weinen.

Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: „Hab keine Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung.“ 

Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.

(Verfasser unbekannt)

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