Immer wieder stoßen erfahrene Gärtner Ende April auf ratlose Blicke und Unverständnis bei ihren Kunden. Also, ging’s mir heute so, wie jedes Jahr um diese Zeit.

Sehr, sehr viele Gartenfreunde folgen jährlich dem Ruf der Gärtner und decken sich Ende April mit all ihrem Wunsch-Grün für die Saison ein. Im gesamten Bundesgebiet. Kübelpflanzen sind umgetopft und Balkonkästen frisch bepflanzt worden. Nun also: Raus ins Freie! Wollen sie wirklich? Sollen sie denn nicht?
Aus irgendeinem Grund hatte der Gärtner beim Abschied noch gesagt: „… die Kästen bepflanzen, gut angießen und dann an einem geschützten Ort zum Abhärten aufstellen, bis die Eisheiligen vorbei sind.”

Da war es also – das grausame Wort, das die Bewohner von Balkonien in Schrecken versetzt: Die Eisheiligen.
Aber, gibt’s die überhaupt? Und, wenn ja, sind sie nicht schon längstens überholt? Schließlich lebten Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und Sophia (15. Mai) im 4. und 5. Jahrhundert. Und nicht zu vergessen, inzwischen haben wir Klimawandel – und der hätte das doch sicher alles geändert?

„Nein, leider,“ sagt der erfahrene Gärtner, „tun‘ Sie’s lieber nicht!“

Und da gehen sie hin – enttäuscht und mit hängenden Köpfen – die Bewohner von Balkonien: Nochmal zwei Wochen warten.

Wenn sie wüssten, wie gut es der Gärtner mit ihnen meint: Denn die uralten Bauernregeln, die besagen, dass das mitteleuropäische Wetter erst nach der „Kalten Sophie“ stabil wird, bezogen sich ursprünglich auf den Zeitraum von 23. bis 27. Mai. Diese Tage waren den Heiligen auch ursprünglich zugeordnet worden.
Erst bei Einführung des Gregorianischen Kalenders in den einzelnen Ländern wurde das Jahr einmalig um 11 bis 12 Tage verkürzt – und so rutschten die Eisheiligen auf den 11. bis 15. Mai.
Offizielle Wetterstatistiken belegen, dass die Kaltfront der Eisheiligen zwischen dem 21. und 23. Mai durchs Land zieht – sie bestätigen somit die Jahrhunderte alten Bauernregeln des alten Kalenders.
Übrigens – in Norddeutschland beginnen die Eisheiligen mit Mamertus, in Österreich erst einen Tag später mit Pankratius. So lange dauert es in etwa, bis die Kaltfront aus dem Norden bis nach Bayern und Österreich kommt – sogar das wussten unsere Vorfahren schon, ganz ohne Satellitenbild und Wetterbericht.

Bauern-Weisheiten
  • Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz.
  • Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
  • Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.
  • Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie.
  • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.
  • Pflanz‘ nie vor der Kalten Sophie!

Countdown zum offiziellen Ende der Eisheiligen…